Donnerstag, 16. April 2015
Der Einzug
Es ist so weit. Chloé löst ihre verlorene Wette ein.
Eigentlich sollte es bereits letzten Samstag losgehen. Es gab da allerdings so ein paar klitzekleine Probleme und am Ende gingen ihr fast die Clochards aus.

Nach diesem Erlebnis musste sie sich erst erholen und machte sich gestern erneut auf die Suche. Aber es war dann doch etwas stressiger, als die gehofft hatte ...

Sie hatte drei Clochards aufgetan, die nicht abgeneigt waren, eine Woche am Rundumsorglos-Paket teilzunehmen.
Aber! Da waren ein paar Hürden zu nehmen, die dem ein oder anderen dann doch etwas zu hoch waren.
Verlangte die Gastgeberin doch allen Ernstes, dass sie sich badeten, die Zähne putzten und den Dreck unter den Fingernägeln beseitigten.
Flavien, Clochard Nummer eins, war das zu viel und er verabschiedete sich unter wüsten Beschimpfungen.
Während Chloé sich auf die Suche nach einem Ersatz machte, wurden die beiden verbliebenen gebadet, sie putzten sich ihre Zähne und ließen Maniküre und Pediküre über sich ergehen.

Chloé hatte inzwischen einen weiteren Clochard gefunden (Die Liste der Glücklichen war lang. Aber! Man musste sie erst mal finden, die Willigen … Paris ist groß …).
Während er sein Bad genoss, weigerte sich Théophile, Clochard Nummer zwei hartnäckig, seinen eigenen Kleidern für eine Woche adieu zu sagen. Sie seien schließlich von Chopin! Nun ja! Chloé meinte, so wie sie aussahen, glaubte man ihm auf Anhieb.
Sie redete mit Engelszungen auf ihn ein, aber er bestand auf Chopin!
So kam es, dass er kurze Zeit später, frisch gebadet, mani- und pedikürt, mit geputzten Zähnen und in seinen Kleidern von Chopin, den Salon verlies.
Non! Chloé hat sie nicht in den Schönheitstempel geführt, wo sie sich verwöhnen lässt. Sie hatte einen kleinen, schnuckeligen Salon aufgetan, deren Besitzerin sich auf das Abenteuer „Clochards baden“ eingelassen hatte.

Bérénice, Clochard Nummer drei, wollte den Sportanzug nicht tragen. Sie hätte lieber auch was von Chanel. Ein schickes Höschen und ein nettes Blüschen. Das wäre doch was.
Chloé war anderer Meinung und Bérénice stampfte im Sportanzug davon.

So kam es, dass Chloé sich auf die Suche nach zwei weiteren Clochards machte. Jean-Claude, Clochard Nummer vier, genoss derweil das Angebot des Salons. Wer jahrelang auf den Straßen von Paris lebt, ist einer Massage nicht abgeneigt.

Chloé fand zwei weitere Clochards, die sich der Prozedur unterwarfen. Sie zogen ohne Murren die Sportanzüge an und dann standen drei gebadete und zurechtgemachte Menschen vor ihr.

Tja! Eigentlich hätte es jetzt losgehen können … ABER!
Chloé verlangte doch allen Ernstes, dass sie sich von ihren Einkaufswagen, mit ihrem Hab und Gut, trennen sollten. Für eine Woche! Eine ganze Woche! Sieben Tage … oder waren es neun? … dreißig? Da waren sie sich nicht einig … nun ja … das Leben auf den Straßen von Paris ist hart und nur mit ausreichend Promille zu ertragen …

Chloé hatte einer Transportfirma den Auftrag gegeben, die Wagen zu einem Lagerhaus zu bringen. Sicher verwahrt vor Dieben …
Non! Auguste wollte sich nicht trennen. Sein ganzes Leben transportierte er in diesem Einkaufswagen. Entweder der Wagen kam mit oder er geht.
Okay! Chloé musste nicht lange überlegen und Auguste verlies ebenfalls das Abenteuer „Eine Woche Luxusleben“.

Paulette, Clochard Nummer fünf, hatte eine Freundin, die auch gerne am Abenteuer „Eine Woche Luxusleben“ teilnehmen wollte.
Zusammen mit Chloé zog sie los und die beiden fanden Céleste in der Nähe der Ponte Alexandre III.
Sie war begeistert und Chloé hatte endlich ihre drei Clochards zusammen.
Nachdem auch Céleste ihrer Patina beraubt war, übergaben die drei mit viel Trara ihre Einkaufswagen in die Obhut der Transportfirma und stiegen in ein Taxi.
Als sie vor Chloés Haus anhielten, waren sie sprachlos.
Baptiste, Chloés guter Geist des Hauses … Butler …
nahm die Gäste in Empfang.
Er wies ihnen ihre Zimmer zu und dann gab es eine Führung durch die Räume, die sie betreten durften.
Okay! Ich kann verstehen, dass Chloé ein paar kleine Einschränkungen gemacht hat.
Kaum war die Führung beendet, hatte Céleste schon ein Problem. Sie war es nicht gewöhnt, in einem Bett zu schlafen. Die Matratze war zu weich, die Kissen zu dick und die Decke zu schwer.
Ich sehe Chloés Gesicht vor mir, nach dieser Ansage.
Oh non! Ihr wisst doch … wir fluchen nicht … Chloé auch nicht …
Wir sind es gewohnt, die Contenance zu wahren.
Für Céleste wurde ein Lager aus Decken auf dem Boden hergerichtet.

Jean-Claude war die Aussicht in den Garten zwar angenehm, aber es war ihm zu ruhig. Er wollte lieber ein Zimmer zur Straße. Nun ja! Chloé wohnt nicht auf der Avenue de Champs-Élysées … Er wird des Nachts den Verkehr missen …

Paulette vermisste die Bar im Zimmer. Etwas Wärmendes für die Nacht müsse sie dann doch haben … und das mussten Céleste und Jean-Claude auch …

Chloé … Nun ja! Sie tut mir nicht leid. Ich gönne ihr jeden Augenblick. Ich habe mich nicht umsonst ein Jahr lang durch die Irrungen der Kochkunst gequält.

Es wird eine laaange Woche … sieben Tage … 168 Stunden … 10.080 Minuten … 604.800 Sekunden

Bonne chance !