Sonntag, 29. Juni 2014
Filet de veau en croûte avec pommes duchesse
Filet de veau en croûte avec pommes duchesse et fagots de haricots verts.

Liest sich wie ein Roman, kocht sich wie ein Krimi. Wow! Meine größte Herausforderung - bis jetzt. So viele Nerven wie diesmal, habe ich noch nie verloren.
Will mich jetzt vielleicht mal Jemand bedauern? Non? Okay! Ihr habt ja noch nicht gelesen, was ich alles durchgemacht habe.
Also! Lasst uns anfangen. Ja, wie immer ganz am Anfang, im Feinkostladen.

Die Damen und Herren waren voller Mitgefühl. Ich bin mir nicht sicher, ob wegen des letzten Events oder des anstehenden. Eine mitfühlende Seele fragte mich, ob ich denn wüsste, was da auf mich zukommt. Non! Wusste ich nicht. Ich kann euch sagen, es war auch besser, es nicht zu wissen.
Ich dachte doch wirklich, das Filet anzubraten, wäre das Schlimmste bei diesem Event. Ha! Von wegen!

Der boucher meinte noch, ich solle das Filet nur gaaanz kurz anbraten. Es wäre sehr schade um das gute Fleisch. Genauso gut hätte er sagen können: „Lass es, Du kannst es sowieso nicht!“ Aber er ist ein sehr höflicher Mensch. Vielleicht hat er aber auch Angst, dass ich künftig meine Einkäufe in eine andere épicerie fine tätige.
Okay! Ich habe ein ganzes Filet gekauft. Das war ein riesiges Teil. Etwas davon sollte es doch wenigstens in den Blätterteig schaffen. Oh, ich hoffte es inständig. Ich hatte ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, dass ich dieses teure Fleisch in Briketts verwandeln könnte – werde?!.

Die haricots verts sahen putzig aus. Allerdings machte ich mir Sorgen. Wenn ich die winzigen Dinger auch pellen musste, würde nicht mehr viel von ihnen übrig bleiben.
Ha, Ha! Hört auf zu lachen. Woher wollte ich wissen, dass man nur die Enden abschneidet? Ich habe noch NIE!!! Bohnen gekocht.
Bon! Ich war ehrlich gesagt sehr erleichtert, nachdem ich gegooggelt hatte, wie man kleine, putzige Bohnen pellt. Wenn das Web lachen könnte, es hätte wohl für einige Zeit den Betrieb einstellen müssen.

Haken wir das leidige Thema ab und wenden uns den Vorbereitungen zu. Dass meine Küche unbedingt eine Runderneuerung braucht, habe ich bereits erwähnt. Der Maler hat sich die Küche angesehen. Er hat mich allen Ernstes gefragt, ob etwas explodiert wäre. Wegen der vielen Spritzer und anderer diverser Kleinigkeiten. Nun ja! Er kommt nächsten Montag, um die Küche zu renovieren.
Der Elektriker konnte es kaum fassen, dass er schon wieder einen neuen Brandmelder installieren musste. Er hat keine Fragen gestellt, er hat mich nur so seltsam angesehen.

Okay! Schon wieder abgeschweift. Kommen wir zu den Vorbereitungen.
Bei den Rezepten für die pommes duchesse, waren sich die Verfasser mal wieder nicht einig. Mal sollten die Kartoffeln geschält und gekocht werden. Dann wiederum sollten sie mit Schale ins Wasser und danach gepellt werden.
Ihr könnt euch denken, dass ich die letztere Variante bevorzugte. Leider stand nirgends zu lesen, wieviel Wasser ich in den Topf geben musste. So kam es, dass es eine kleine Ewigkeit dauerte, bis sich das Wasser erwärmte. Vom Kochen war es zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt. Tja! Viel ist nicht immer gut.
Okay! Es hätte zwar ewig gedauert, bis das Wasser völlig verdampft wäre und die Kartoffeln auf dem Trockenen sitzen würden. Aber das kann ganz schnell gehen.
Tja! Wie erkläre ich das jetzt? Sagen wir mal so. Das viele Wasser brauchte aber auch wirklich sehr lange, bis es sich erwärmte. Da dachte ich mir, wenn etwas weniger Wasser im Topf ist… ich meine ja nur… also es war zu wenig Wasser im Topf… oder… .
Okay! Sie waren angekokelt. Zu allem Übel waren die Dinger noch roh, nur etwas verkokelt…
Beim nächsten Versuch gab ich kochendes Wasser aus dem Wasserkocher in den Topf. Die Kartoffeln kochten so vor sich hin und kochten und kochten.
Ich habe mich in der Zwischenzeit den putzigen Bohnen zugewendet. Das war so einfach, den Winzlingen die Enden abzuschneiden. So leicht habe ich noch nie Gemüse… tja, wie nennt man das eigentlich? Kochfertig vorbereitet? Ist doch auch egal. Jedenfalls waren sie fertig und konnten kurz ins kochende Wasser. Sie sollten blanchiert werden.
Haha! Ich weiß was ihr denkt. Und ja, ihr habt Recht. Wie immer. Die putzigen, kleinen Dinger waren überblanchiert. Woher soll ich denn wissen, wie lange die Winzlinge brauchen, bis sie ausreichend blanchiert sind? Ich hatte Mühe, sie in den Speck einzuwickeln. Sie waren so lasch und hingen so rum. Aber ich war guter Hoffnung, dass sie im Backofen wieder etwas fester würden. Tja! Die Sache mit der Hoffnung!

Hätte ich die Hoffnung gehegt, dass die Kartoffeln knackig blieben, so wäre auch diese Hoffnung verpufft.
Diese undankbaren Dinger lagen im Topf. Oh! Non! Das ist etwas unglücklich ausgedrückt. Teile von ihnen lagen im Topf. Irgendwie müssen die explodiert sein. So sahen sie aus. Lauter kleine Teilchen mit Schale. Ob das so sein musste? Ich glaube eher nicht.
Vor einem weiteren Versuch mit Pellkartoffeln, habe ich dann abgesehen.
Ich nahm das Messer zur Hand, um die Biester zu schälen. JA! Ihr habt mal wieder Recht. Sie haben sich mit aller Gewalt zur Wehr gesetzt. Ein kleiner Schnitt im Daumen, der unaufhörlich blutete, aber sonst war alles okay! Abgesehen von den Krämpfen in meiner Hand….
Ich gab die geschnittenen Kartoffeln in einen Topf, schüttete heißes Wasser aus dem Wasserkocher darüber und stellte sie auf den Herd.

Dann nahm ich mir das Filet vor. Das passte nicht in meine Pfanne. Und glaubt mir, das war auch gut so. Ich hätte nach dem ersten Versuch kein Filet mehr gehabt.
Ich teilte das Filet in drei Teile. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Das Fett ist aber auch sehr heiß und die Spritzer sind schmerzhaft. So kam es, dass das scharf angebratene Stück Filet etwas überbräunt war. Okay! Wenn man die überproportionierten Röstaromen entfernte, könnte man den Rest noch essen.
Das nächste Stück war aber auch ungünstig proportioniert. Vorne so dünn und am Ende so dick. Da ist es doch völlig klar, dass das dünne Teil nicht so, sagen wir mal, lange scharf angebraten werden kann wie das andere Ende. Ihr versteht? Das lag nur an der Anatomie dieses Filetstückes. Es war selbst schuld, dass es so überbräunt wurde.
Das letzte Stück behandelte ich mit äußerster Vorsicht. Es war dann auch nicht scharf angebräunt. Es sah mehr so gräulich-beige aus. Nicht schön und erst recht nicht appetitlich. Aber es wurde in Blätterteig gewickelt und man würde seine grausige Farbe nicht mehr sehen. Zuerst aber musste es auskühlen.

Ich nahm die Kartoffeln vom Herd und goss das Wasser weg. Jetzt mussten die Kartoffeln zerdrückt werden. Ging ganz leicht. Sie waren so weich, dass sie der Gabel nichts mehr entgegen zu setzen hatten. Ich rührte die Butter hinein und gab das Eigelb hinzu. Oh! Böser Fehler. Das Eigelb gerann und es sah eklig aus. Oh non! Warum ich?
Okay! Die nächsten Kartoffeln wurden geschält und geschnitten. Sie waren auch nicht sehr kooperativ. Wieder Krampf in der Hand und zwei weitere blutige Finger. Aber die Kartoffeln lagen brav im Topf. Als wenn nichts geschehen wäre. Diese fiesen, kleinen Biester!

Ich wendete mich wieder meinem Filet zu. Es musste eine Farce hergestellt werden. Rohe Kalbsbratwurst und eine riesige Menge Petersilie wollten vereint werden.
Ja! Ich hatte vergessen die Petersilie fein zu schneiden. In Anbetracht der Tatsache, das ich nun so langsam aber sicher wieder in Verzug kam, definierte ich fein schneiden neu und entsprechend fielen die Petersilienstückchen aus.

Es läutete und meine Gäste kamen. Der Herr im Kilt und die Dame im kilted skirt. Die beiden sind sehr traditionsbewusst. Im ersten Moment schoss mir durch den Kopf, dass ich Ihnen besser Haggis serviert hätte. Aber das hätte ich nie im Leben gekocht. Non!
Ich führte sie in den Salon und servierte ihnen das Beste an meiner Einladung – ein Erzeugnis des Barons.
Ich überlies sie Baron de Rothschild und ging zurück an die Arbeit. Die Farce musste gemischt werden. Das war ja noch einfach. Aber dann…. Den Blätterteig habe ich nicht selbst gemacht. Ich bin doch nicht verrückt. Stundenlang buttern und falten. Non! Kaufen geht schneller.
Ich rollte den Blätterteig aus und legte die Speckscheiben darauf. Darüber wurde die Farce verteilt. Dann kamen blanchierte Bärlauch- Blätter. Die habe ich kochfertig gekauft. Ich weiß nicht, was ich aus den dünnen Blättern gemacht hätte. Vielleicht grünen Brei? Egal! So war es besser.
Als letztes wurde das grau-beige gebräunte Filet auf die Blätter gelegt. Dann kam das Schwerste. Jetzt musste alles gerollt werden.
Tja! Irgendwie war der Blätterteig zu klein. Die Füllung war zu dick und mein Blätterteig wollte sich nicht drum herum legen. Tja! Ich bin für alle Eventualitäten gerüstet. Ich hatte noch eine zweite Rolle Blätterteig. An der schnitt ich einen breiten Streifen ab und legte ihn über das klaffende Loch. Noch die Enden einschlagen und Ha! Füllung eingeschlossen. Jetzt musste ich nur noch ein paar Verzierungen auf den Blätterteig legen und mit Milch bestreichen. Dann konnte das Päckchen in den Backofen.







Dann wendete ich mich den Kartoffeln zu. Es wäre doch gelacht, wenn ich aus einfachen Kartoffeln keine pommes duchesse machen könnte.
Ich zerdrückte auch diese Kartoffeln und gab die Butter dazu. Ich nahm Eiswürfel aus dem Tiefkühler und bettete die Schüssel mit den Kartoffeln hinein. Jetzt rühren, rühren, rühren. Nach kurzer Zeit waren die Kartoffeln erkaltet. Nun noch schnell das Eigelb hinzufügen und etwas Mehl unterheben et voilà.
Jetzt kam die Masse in den Spritzbeutel. Ich musste nur noch kleine Rosetten aufs Backblech spritzen. Das war gar nicht so einfach. Sie waren nicht schön, aber welche duchesse ist das schon? Die, die ich kenne, sind alle etwas hölzern und – lassen wir das!
Jetzt kamen in Abständen die fagots de haricots verts und die pommes duchesse in den Backofen.
Als der Piper ertönte, konnte ich es kaum fassen. Die Schlacht war geschlagen. Nichts angekokelt. Okay! Das Blätterteigpäckchen zeigte ein paar überbräunte Stellen. Aber da konnte man drum herum schneiden.







Okay! Ich habe mich dann am Backblech verbrannt und ein paar der fagots haben beim Herausholen ihre haricots verloren. Aber es gibt schlimmeres.

Ich schnitt das Blätterteigpäckchen auf und traute meinen Augen nicht. Das Filet war rosa. Nicht braun, nicht rot – rosa. Ich war so stolz. Zumindest die Farbe stimmte.

Ich belegte die Teller und machte das obligatorische Foto.







Meine Gäste trauten ihren Augen nicht. Ich konnte es selbst kaum fassen.
Aber ich wollte mich nicht zu früh freuen. Ich musste erst die Reaktion meiner Gäste abwarten, nachdem sie gekostet hatten.
Das Filet war zart und schmeckte vorzüglich. Ich traute meinen Ohren nicht. Aber man soll sich nicht zu früh freuen. Der Dämpfer kam umgehend.
Die pommes duchesse waren fade. Ich hatte völlig vergessen, die Dinger zu würzen. Ups!

Die haricots waren, nun sagen wir mal, meine Hoffnung hatte sich nicht erfüllt. Die putzigen Böhnchen waren im Ofen nicht wieder knackig geworden. Oh non! Sie waren vertrocknet. Aber der Speck war auf den Punkt gebräunt. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Jedenfalls habe ich heute das beste Essen auf die Teller gebracht, seit ich koche. Okay! Versuche zu kochen.

Zartes Filet sticht doch vertrocknete Bohnen und ungewürzte pommes duchesse aus. Oder etwas nicht?

Ich habe es mal wieder geschafft. Der 14. Kochevent ist vorbei. Ich habe wieder mal viele Nerven gelassen. Einiges gelernt, dass ich nie lernen wollte. Wieder mal zu der Erkenntnis gelangt, Kochen ist nichts für mich.

Jetzt sind es noch 38 Events. Ich werde auch in Zukunft mein bestes geben. Auch wenn es manchmal nicht reicht, aber ich werde es versuchen.

Bis nächste Woche.